Grünkohlessen 2012

„Wenn wir dürfen, kommen wir nächstes Jahr gerne wieder“

Auch Frauen haben diesmal beim Grünkohlessen ihren Spaß / Vielleicht letzte Rede von Ehrenstadtoffizier André Bonthuis

Bückeburg (bus). Das Bürgerbataillon der Ex-Residenz hat am Freitag ein Grünkohlessen bemerkenswerter Fasson gefeiert. Die jetzt zum sechsten Mal in der Schloss-Remise organisierte Traditionsveranstaltung wird – man kann es drehen und wenden, wie man will – um einige Sondereintragungen im Bataillonsgeschichtsbuch nicht herumkommen. Dass dabei dem außergewöhnlich guten Besuch, laut Vorsitzendem Martin Brandt „noch nie so gut wie heute“, eine eher zu vernachlässigende Rolle vorbestimmt ist, wird keine verdrießliche Erinnerungen hervorrufen.

Wesentlich wichtiger dürfte sein, dass mit dem 2012er Grünkohl auf gleich dreifache Art und Weise das Ende eines bislang (mit der seinerzeitigen Ausnahme von Bürgermeisterin Edeltraut Müller) ausschließlich den „Herren der Schöpfung“ vorbehaltenen Vergnügens eingeläutet worden ist. Zum einen zählten mit Anneke Hazelbach de Waal, Joke van Gelderen und Tamara Vennrooy drei Frauen zu der aus der niederländischen Partnerstadt Zuidplas angereisten Delegation, denen schon aus Gründen der Gastfreundschaft niemand den Zutritt verwehren mochte. Zum anderen hatte im Vorfeld der Veranstaltung weitgehend Einigkeit darüber geherrscht, dass den weiblichen Mitgliedern der Eskadron als festen und bewährten Mitgliedern des Bataillons die Teilnahme zugestanden werden sollte. Und schließlich war es Hausherr Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe, der – im zweiten Anlauf – den Platz neben sich für eine Tischdame reserviert wissen wollte.

Das ringsum von herzlichem Beifall begleitete erste Erscheinen des Schlossherren, der in diesem Jahr zum ersten Mal an einem Remisen-Grünkohlessen teilnahm, schien zunächst von nur kurzer Dauer zu sein. Alexander ergriff kurz das Wort, brachte seine Verbundenheit zum Bataillon und wenig später zum Ausdruck, dem Treffen wegen anderer Verpflichtungen leider wieder den Rücken kehren zu müssen. Umso überraschter und erfreuter zeigte sich die von einer stattlichen Zahl Prominenter durchsetzte Festgesellschaft über die alsbaldige Rückkehr des Adligen – diesmal in Begleitung einer aus Dänemark stammenden Cousine.

Interessanterweise brachten etliche der weiblichen Premierengäste viel Verständnis für die Vorliebe der Männer zum Ausdruck, einmal jährlich in großer Runde unter sich sein zu wollen. Die Einbeziehung von Frauen stelle ein recht sensibles Thema dar, mit dem man nicht zuletzt ob des traditionellen Aspektes vorsichtig umgehen sollte, war von den Amazonen der Eskadron zu vernehmen. „Bei noch mehr Frauen macht ihnen die Feier womöglich eines Tages keinen Spaß mehr.“ Gleichwie hätten sie sich sehr wohlgefühlt. „Eigentlich mag ich gar keinen Grünkohl, aber heute hat er mir sehr gut geschmeckt“, merkte eine Reiterin an. Und alle zusammen: „Wir kommen, wenn wir dürfen, im nächsten Jahr selbstverständlich gerne wieder.“

Eine Bildergalerie zum Grünkohlessen finden Sie im Internet unter www.landes-zeitung.de „Lokales

Landeszeitung v. 30.1.12

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Grünkohl2012

„Ein Herrenabend mit weiblichen Farbtupfern“

Erstmals einige Frauen „offiziell“ beim Grünkohlessen des Bürgerbataillons / 440 Gäste in der Remise

Bückeburg (kk). Wenn dieses Grünkohlessen nicht in die Geschichte des Bürgerbataillons eingeht: Als ersten „Herrenabend mit weiblichen Farbtupfern“ bezeichnete Stadtmajor Peter Kohlmann gestern Abend die Traditionsveranstaltung. Und tatsächlich: Nicht nur am Tisch der 14-köpfigen Delegation aus der niederländischen Partnerstadt Zuidplas saßen einige Damen, auch aus den eigenen Reihen waren erstmals „ganz offiziell“ weibliche Gäste vertreten. In der Eskadron reiten nämlich inzwischen in erster Linie Frauen für Bückeburg! Und für die gab es Blumen vom Kommando und nette Worte von allen Gastrednern, allen voran Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe.

„Durchlaucht“ erinnerte daran, dass das Bataillon früher die Stadt mit der Waffe in der Hand verteidigt habe. Die heutige Aufgabe sei aber mindestens genauso wichtig: die Wahrung von Tradition und schaumburg-lippischer Integrität. „Ich bin stolz auf das Bataillon,“ rief er den 440 Gästen in der Remise zu.

Die Deistertaler Musikanten überzeugten nicht nur mit flotter Unterhaltung zum und nach dem Essen, sie hatten auch für besonders liebe Gäste zur Begrüßung die passende Melodie parat. Die Mindener freuten sich über „Wo die Weser einen großen Bogen macht“, Vertreter der Landeskirche über „Herrn Pastor sin Kauh“ und die Niederländer natürlich über „Tulpen aus Amsterdam“.

Ihr stellvertretender Bürgermeister Arjen Hazelebach merkte zwar unter lauten Buhrufen scherzhaft an, dass an das holländische Bier so schnell nichts heran komme – dem leckeren Schaumburger Grünkohl zollte aber auch er Respekt: Der braucht sich nicht hinter seinem holländischen Namensvetter „Boerenkool Stamppot“ zu verstecken.

250 Kilo vom köstlichen Wintergemüse mit jeder Menge Wurst und Kasseler servierten Festwirt Fabian Hahn und sein 30-köpfiges Team gestern Abend – und sorgten damit für die richtige Grundlage für einen geselligen Abend voller netter Gespräche.

Landeszeitung 28.1.12

Fotogalerei vom Grünkohlessen 2012